NordseeMan 2011: Das erste mal 70.3

Es war soweit: Ich wollte die volle Mitteldistanz angehen. 1,9 km Schwimmen, 90 km Rad fahren und anschließend den Halbmarathon, also 21,095 km Lauf. Die Frage war nur: Wo? Ratzeburg oder Wilhelmshaven.

Ich entschied mich für den NordseeMan in Wilhelmshaven, denn das flachere Profil der Radstrecke liegt mir eher.

Die Vorzeichen standen schlecht: Regenwetter, starker Wind, am Vortag noch eine Scherbe eingefahren und das Veranstalter-Hotel brachte es nicht zustande das Frühstücksbuffet etwas früher zu eröffnen, sodass wir nur mit einem kleinen Lunch-Paket zum Check-In gingen. Ein Wettkampf-Frühstück ist so nicht möglich, wirklich schlecht, da sollte nachgebessert werden. Außerdem war es bei 9° C mehr als “frisch” – wir froren!
Meine mutige Planung, in die Nähe von 5:30:00 zu kommen, verwarf ich schnell. “Ohne Probleme ankommen” ist für die 70.3-Premiere mehr als ausreichend.

Während Katrin und Andreas bibbernd vor der Wechselzone warteten, baute ich mein Rad auf. In der Wechselzone wurde diskutiert: Was anziehen? Langarm-Shirt, Armlinge, ganz mutig nur im Kurzarm-Trikot? Mit oder ohne Weste? Ich entschied mich für Kurzarm und Weste und hoffte auf trockenes Wetter.

Schwimmen

Die Schwimmstrecke am Bontekai war mit vielen gut sichtbaren Bojen abgesteckt. Das Wasser salziger als erwartet, aber deutlich wärmer als die Luft :) Zwei Runden waren zu schwimmen. Nach der ersten Runde zogen die ersten Schwimmer der zweiten Startgruppe an mir vorbei. Mir war schon vorher klar, dass ich heute nicht schnell unterwegs wäre, aber schon jetzt überrundet? Oh je. Am Ausstieg lag ich dann rund 5 min hinter meiner Planung.

Rad

Auf dem Rad kam ich ganz gut zurecht. Die flache Strecke hatte nur zwei Brücken, die zehn Mal überquert werden mussten und die einzigen Anstiege darstellten. Ansonsten viele lange Geraden mit gutem Belag, aber leider sehr windanfällig. Diese 90 km könnten also etwas weh tun. Der Wind blies viel von vorne und raubte Kraft. Ich wurde viel überholt, lag aber wieder gut im Rennen und konnte die verlorene Zeit
vom Schwimmen wieder gut machen. Katrin und Andreas hatten sich aufgeteilt und feuerten mich kräftig an.
Trotzdem zwei Missgeschicke: Beim Anmischen meiner Iso-Getränke ist etwas schief gegangen, sie waren so “scharf”, dass sie nicht mehr genießbar waren. Trinken unmöglich. Am ersten Verpflegungspunkt griff ich eine Wasserflasche. Ab dort dann: kleiner Schluck Iso, kleiner Schluck Wasser und hoffen, dass der Magen es mit macht.
Beim Wechsel vom Rad zum Laufen wäre mein Wettkampf dann fast vorbei gewesen: Ich blieb mit dem Fuß an der Flasche hinter meinem Sattel hängen und konnte nicht absteigen, sondern musste noch einmal Schwung holen. Dabei kam ich aber so nah an die Abstiegs-Linie, dass die Wettkampfrichter schon wild mit den Armen fuchtelten. Dann mein Fehler: Statt das Risiko einzugehen, ein paar Zentimeter hinter der Linie sicher aufzusetzen griff ich in die Bremse und schwang gleichzeitig das Bein zum zweiten Mal über den Sattel. Der Schwerpunkt des Rades verlagerte sich schlagartig nach vorne und das Hinterrad kam hoch. Ich trudelte, verlor das Gleichgewicht und legte mich fast auf die Nase. Im letzten Moment fing ich mich und das Rad ab, ein Radschuh flog durch die Luft. Aber ich stand – das ist gerade noch mal gut gegangen. Andreas schrie nur: “Egal, weiter!!”. Ich schnappte meinen Schuh und rannte zum Wechselplatz.

Laufen

Nach dem Wechsel zum Laufen war ich zu meiner Überraschung genau in meinem Zeitplan auf dem Weg zur 5:30:00. Bei allen Wettkämpfen dieser Saison bekam ich kurz nach dem Lauf-Start Krämpfe in den Oberschenkeln, ich rechnete also jeden Moment mit einer Zwangs-Gehpause. Zwar wurden die Beine schwer und hart, aber der Krampf blieb aus. Wahrscheinlich, weil ich dieses Mal nicht in meinen superleichten Wettkampfschuhen, sondern mit den besser gedämpften Trainingsschuhen unterwegs war. Gute Entscheidung :) Kilometer für Kilometer konnte ich Zeit gut machen und lag unter meinem kalkulierten Schnitt. Hinter dem Deich ging es dann gegen kräftigen Wind an, aber dank der perfekten Motivation durch meine “Groupies” war es machbar weiterzulaufen. Ab dem Wendepunkt dann mit dem Wind im Rücken konnte ich anziehen. Auf der zweiten Runde war dann klar: Wenn jetzt nichts Außergewöhnliches mehr passiert, packe ich die 5:30:00. Nach dem letzten Wendepunkt dann kein Zweifel mehr: Es kann nichts mehr passieren, ich schaffe es sogar deutlich unter 5:30:00. Nach 5:19:22 lief ich ins Ziel meiner ersten 70.3-Mitteldistanz. Besser hätte es nicht laufen können.

Ein großes Lob muss ich dem Veranstalter aussprechen. Auf keinem anderen Triathlon habe ich in dieser Saison so viele freundliche und motivierte Helfer gesehen. Sowohl vor, während als auch nach dem Wettkampf. Auch die Nudelparty war seinen Preis wert: Keine verkochte Pampe, sondern leckere Spaghetti und Bandnudel, mit drei Soßen zur Wahl. Ein Kaffee am Wettkampfmorgen wäre toll gewesen, aber die Kaffeemaschine hakte wohl etwas…

Danke an meine Supporter Katrin, Andreas (extra für mich angereist), sowie den Vereinskollegen vom Triathlon Team Lüneburg und Rainer vom MTV Ashausen.
Danke auch an Paul Figdor für das Titelbild und Katrin für die restlichen Fotos.

Nicht nicht zu vergessen: Katrin grüßt Britta und Anke von den SSC 02 Tri-Chicken-Run und dankt für den angenehmen Zeitvertreib-Plausch.

Nordseeman Triathlon WHV, 28.08.11
Schwimmen (1,9 km) 0:40:04
T1 0:03:34
Rad (90 km) 2:52:04
T2 0:00:51
Laufen (21,1 km) 1:42:49
Gesamt 5:19:22
Platz 86 / 180
AK-Platz 10 / 14

Autor

Karsten Krohn ist über 10 Jahre PHP-Entwickler mit starker Affinität zu Triathlon und Fotografie. Auf krohnmedia.de schreibt er über Web-Entwicklung und Triathlon und zeigt das eine oder andere Foto.
Karsten ist auch bei Twitter und Google+ zu finden.
  • Andreas

    Tja Bruder!

    Kannst stolz auf Dich sein. Ich bin es!

  • André

    Schöner Bericht, top Wettkampf! Alles richtig gemacht. Hast Du ein neues Rad? Schick! Weiter so!

    Gruß
    André (der von der Weihnachtsfeier in Lüneburg ;-))

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