Twitter für Einsteiger

Twitter ist eines der neueren “Wunderkinder” des Internets. Wikipedia kennzeichnet es als Social Network und Micro-Blogging-System. Das Eichsfelder Tageblatt bringt es auf den Punkt: “Twitter ist das derzeit wohl am schnellsten wachsende soziale Netzwerk und eine Mischung aus Kurznachrichten, Blogeinträgen und Chats”.

Wie funktioniert das?

Anne registriert sich als Benutzer bei Twitter und kann dann Kurznachrichten (sogenannte “Tweets“) von maximal 140 Zeichen veröffentlichen. Das kann direkt auf der Twitter-Homepage geschehen, per SMS oder Email, Widget oder Browser-Plugin, vom Handy oder mittels Skype, Google Talk und vielem mehr.

Sämtliche Tweets von Anne erscheinen in ihrer Timeline. Diese Timeline listet die veröffentlichten Nachrichten chronologisch auf und ist standardmäßig öffentlich, kann also auch von nicht registrierten Benutzern gelesen werden.

Gibt es andere Benutzer (sagen wir Bob) die an den Nachrichten von Anne interessiert sind, können sie auf Annes Timeline schauen oder sie folgen ihr. Bob wird dann zum “Follower” von Anne und alle Tweets von Anne erscheinen zusätzlich auch in Bobs Timeline. Ein Blick in die eigene Timeline verschafft Bob so eine Übersicht über alle Nachrichten sämtlicher Twitter-Benutzer für deren Nachrichten er sich interessiert.

Kann man Tweets schützen?

Bob selbst liest nicht nur die Nachrichten anderer, sondern twittert auch selbst. Er möchte aber nicht, dass jeder seine Nachrichten liest, denn diese sind nur für seine Freunde Charlie und Doris bestimmt. Darum schützt er seine Tweets, sein Account ist “protected“. Nun können nur noch diejenigen seine Timeline lesen, die sich als Follower eintragen und von Charlie autorisiert wurden.

Außerdem kann Bob seine eigenen Tweets löschen. Das ist aber nicht immer sehr wirksam, denn a) können Charlie und Doris seine Nachricht schon lange gelesen haben und b) können Suchmaschinen wie Google, Bing, Yahoo und Co den Tweet längst indiziert haben und so für ewig in deren Archiven bereitstellen. Man sollte also nachdenken bevor man etwas twittert. Wie im Leben: Erst denken, dann sprechen/schreiben/machen. :D

Wer twittert?

Natürlich twittern nicht nur Anne, Bob, Charlie und Doris. Und meist interessiert uns auch nicht, welchen Sack Reis die vier irgendwo in der Welt umgekippt haben. Es twittern auch viele Prominente und das kann für einen Fan ja schon mal interessanter sein. Barack Obama ist wohl durch seinen twittergestützten Wahlkampf einer der bekanntesten Twitterer. Viele andere Politiker, Schauspieler, Sportler und Persönlichkeiten sind bei Twitter vertreten. Lance Armstrong, Ashton Cutcher, die Band Coldplay um nur drei zu nennen. Harald Schmidt war allerdings nie Harald Schmidt sondern jemand ganz anderes und auch bei Obama dürfte es jemand aus seiner Publicity-Crew gewesen sein…

Auch viele Unternehmen haben ein Twitter-Account und twittern in Richtung ihrer Kunden. Dell verkauft Restposten via Twitter, HTC wickelt einen Teil des Kunden-Supports über Twitter ab, Google verkündet wie viele andere Produktneuheiten und -updates. Die Tagesschau, CNN und viele andere Zeitungen und Nachrichtensender senden Eilmeldungen, die Deutsche Bahn und Der Metronom melden Zugverspätungen. Es werden das Wetter, Unwetter-Warnungen, Erdbeben- und Tsunami-Daten verschickt, Veranstaltungstipps veröffentlicht oder ganz allgemein Unternehmensneuigkeiten direkt an die Zielgruppe gebracht. Und auch Jobbörsen twittern zu besetzende Positionen. Twitter selbst twittert über Software-Updates.

Sämtliche Nachrichten erscheinen nahezu in Echtzeit in den Timelines der interessierten Leser. Weil es viele Anwendungen für alle erdenklichen Endgeräte gibt, die die Timelines auslesen können, kann man fast immer und überall auf dem Laufenden bleiben. Bleibt Charlies Zug vor dem Bahnhof stehen und gibt es keine Durchsage vom Zugpersonal, kann es auf Twitter schon nähere Informationen geben.
Als ein Airbus in den Hudson-River stürzte, war Janis Krums mit seiner Nachricht schneller als jedes andere Nachrichten-Medium. Auch das erste Bild vom notgewasserten A320 kam via TwitPic, dem Photo-Dienst für Twitter in die Presse.

Hashtag, Direct Messages und Co – Besonderheiten beim Twittern

Natürlich hat Twitter seine Eigenarten und Spezialitäten. Ein paar seien hier erwähnt:

Referenzen auf andere User

Will sich Anne in einem Tweet auf Ihren Freund Bob beziehen, wird sie vor seinem Usernamen ein “@” stellen, z. B. so “Happy birthday @bob“. Dadurch wird sein Name automatisch verlinkt und ein Klick darauf bringt den Leser des Tweets zur Timeline von Bob.

Direktnachrichten

Startet Anne eine Nachricht mit “D” gefolgt von einem Usernamen (“D @bob Rufst Du mich zurück?“) schickt Anne eine sogenannte Direct Message an Bob, die nur er lesen kann und nicht in irgendwelchen Timelines auftaucht.

Hashtags

Wichtige Stichwörter oder Tags  in Tweets kann man durch sogenannte Hashtags markieren und so über eine Suche schnell auffindbar machen. Ein Hashtag erstellt man einfach, indem man einem Wort im Tweet ein “#” voranstellt: “@starbucks hat sehr leckeren #kaffee” oder “Heute auf der #cebit: spezial zu #twitter” . Die Hashtags Kaffee, Cebit und Twitter werden auch automatisch verlinkt. Klickt man darauf, erhält man alle Tweets, in denen die getaggten Wörter vorkommen.

ReTweets

Des Öfteren findet man auch einen Tweet wie diesen von Anne: “RT @bob: Der #Kaffee auf der #Cebit ist heute nicht sehr lecker. #fail“. RT steht dabei für ReTweet (und nicht etwa für reply-to, wie am Anfang dachte). Anne hat eine Nachricht von Bob gelesen und will diese weiterverteilen, weil sie sie für wichtig hält. Sie könnte einfach seinen Text abschreiben und neu twittern, aber dann geht verloren, dass die Nachricht eigentlich von Bob stammt. Deshalbt stellt sie dem alten Text ein “RT @bob” voran, so dass man sieht: Dies ist ein ReTweet (eine Art “Weitersagen”) eines Tweets von Bob.

Mit #fail werden übrigens Nachrichten über irgendwelche Dinge getaggt, die falsch/schlecht gelaufen sind.

URL Shortener

Der Platz zum Schreiben ist bei nur 140 Zeichen sehr knapp, und will man einen Link twittern, bleibt oft kaum noch Raum für Text. Deshalb gibt es  URL-Verkürzungsdienste (engl.: URL-Shortener), die eine kurzer Web-Adresse für eine lange bereitstellen. Durch diese Dienste wird z. B. aus http://atlas.tagesschau.de/index.php?mode=news&country=deutschland (67 von 140 verfügbaren Zeichen) ein kurzes atlas.tagesschau…. mit nur 20 Zeichen. Mehr Platz für Text :)

Sonstiges

Sucht man etwas Aktuelles auf Twitter, gelangt man über  http://search.twitter.com zum Ziel.

Eigentlich lassen sich nur Texte twittern, aber durch Diensten wie Twitpic kann man Bilder (zum Beispiel vom iPhone) twittern, oder es lässt sich mittels Twittpoll eine Umfrage starten. Zusatzdienste gibt es fast für jeden Zweck.

Warum der Hype?

Die Idee hinter Twitter ist sehr simpel, auf den ersten Blick ist es nichts wirklich Bemerkenswertes. Maximal 140 Zeichen pro Nachricht veröfftentlichen, Twitter kann “eigentlich” nicht mehr und nicht weniger.

Die Struktur ist jedoch sehr offen gehalten, so dass es sehr viele Anwendungen gibt, die auf Twitter aufbauen können und die Funktionen von Twitter nutzen und ergänzen können. iPhone- und andere Handy-Programme, Desktop-Clients und Erweiterungen für verschiedenste Programme machen das Schreiben und Lesen sehr viel einfacher. Die schnelle und direkte Kommunikation kommt den vielen Usern entgegen. Und das Online-Mitteilungsbedürfnis scheint von Generation zu Generation zu steigen.

Außerdem ist Twitter, wie auch die meisten Zusatzdienste kostenlos, auch für Unternehmen. Ein Großteil der Twitter-Clients (für PC, Mac, Linux, iPhone, Blackberry etc.) sind kostenlos, nur wenige muss man kaufen (meist aber nur für kleines Geld).

Autor

Karsten Krohn ist über 10 Jahre PHP-Entwickler mit starker Affinität zu Triathlon und Fotografie. Auf krohnmedia.de schreibt er über Web-Entwicklung und Triathlon und zeigt das eine oder andere Foto.
Karsten ist auch bei Twitter und Google+ zu finden.
  • Markus Rinasky

    Danke für die gute Einführung!
    Mark Rinasky

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